DIENSTAG, 7. FEBRUAR 2012, 19 UHR, RATHAUS

HAUPT- UND FINANZAUSSCHUSS

28. April 2010

Willi Volpers tritt zurück

Nordwalde. Es ist ja nicht so, als hätte er es nicht versucht. Doch trotz mehrerer Anläufe hat Willi Volpers es nicht geschafft, im für ihn alles entscheidenden Punkt seine Mannschaft hinter sich zu bringen. Und deshalb ist er jetzt vom Posten des CDU-Fraktionsvorsitzenden zurückgetreten. „Am Sonntag habe ich diesen Entschluss dem Parteivorsitzenden mitgeteilt. Der wird es an die Mitglieder weitergeleitet haben", sagte Volpers gestern auf Anfrage der WN. Über seinen Rücktritt sprach er ganz offen, aber auch ein wenig wehmütig: „Leicht ist mir der Entschluss nicht gefallen. Ich hätte die Legislaturperiode gerne durchgemacht, die Arbeit macht ja auch Spaß."

 

Laut Volpers war einzig und allein der von Bürgermeisterin Sonja Schemmann eingebrachte Haushalt das Problem: „Einen Etat mit einem strukturellen Defizit von zwei Millionen Euro kann ich nicht mittragen", betonte Volpers gegenüber den WN. In den vergangenen zehn Jahren sei er immer für eine Politik des Sparens und Konsolidierens eingetreten. „Mit Bürgermeister Dietmar Brockmeyer haben wir es damals geschafft, in wenigen Jahren aus der Haushaltssicherung zu kommen." Jetzt sieht Volpers die Gefahr, dass Nordwalde in zwei Jahren - „oder vielleicht schon früher" - wieder in die Haushaltssicherung rutscht.

 

Ansatzpunkte zum Sparen sieht der gestandene CDU-Mann durchaus: „Im Haushaltsentwurf stehen über eine Million Euro an Investitionen für den Straßenbau. Wenn wir das Geld nicht haben, dann müssen wir so etwas eben verschieben."

 

Die Mehrheit der Fraktion konnte er damit nicht überzeugen. Und Volpers gibt offen zu: „Es war sogar eine starke Mehrheit, die sich bis auf kleine Änderungen für den Haushaltsentwurf der Bürgermeisterin ausgesprochen hat."

 

Obwohl oder gerade weil ihr Haushaltsentwurf der Knackpunkt ist, bedauert die Bürgermeisterin nach eigener Aussage Volpers' Entscheidung: „Wir haben gut zusammengearbeitet und werden das auch weiterhin tun." Angesprochen auf die Sparpotenziale im Haushaltsentwurf sagte Schemmann: „Irgendwann muss eine Fraktion eine Entscheidung fällen." Und noch sei das Zahlenwerk ja nicht verabschiedet.

 

Wer künftig die Fraktion führt, soll sich laut Oliver Hordt, Vorsitzender der CDU-Ortspartei und seit Sonntag kommissarischer Fraktionschef, schon heute Abend bei einer eiligst einberufenen Fraktionssitzung entscheiden. Hordt hat schon Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt, denn er selbst steht nicht zur Verfügung. „Ich halte es für keine gute Konstellation, wenn eine Person gleichzeitig Fraktions- und Parteivorsitzender ist." Hordt ist aber zunächst mal wichtig, dass die Fraktion keinen Groll auf Volpers habe: „Wir haben sogar noch versucht, ihn umzustimmen." Gleichwohl vertritt Hordt den Standpunkt, „dass man nicht alles zusammenstreichen kann".

 

Bedauern über den Rücktritt gibt es übrigens auch in der Opposition. SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Ulrich Rhein: „Ich finde das schade." Unter Bürgermeister Dietmar Brockmeyer hätten er und Volpers gut zusammengearbeitet, auch wenn man nicht immer einer Meinung gewesen sei. Und als wollte er der CDU-Fraktion noch einen mitgeben, fügt Rhein hinzu: „Ich habe Willi Volpers dabei als einen Haushaltsexperten erlebt."

 

Von der politischen Bildfläche wird Volpers so schnell nicht verschwinden. Gegenüber den WN sagte er: „Mein Ratsmandat behalte ich."

 

Quelle: Westfälische Nachrichten