25. Mai 2009
„Wir hatten Glück“
Innenstaatssekretär Dr. August Hanning hält Festansprache

Nordwalde. Nach dem Tod ihres Mannes fand sie den kleinen Zettel in einem Buch. Sie wollte August Hanning das Blatt Papier schon länger per Post schicken, das er damals auf Geheiß der Eltern seinem Direktor geben sollte. Der gebürtige Nordwalder litt an Magenproblemen und Werner Brohm, Leiter der Realschule am Buchenberg in Borghorst, sollte ihm erlauben, regelmäßig in einem Café warm essen zu dürfen.
Jetzt, 51 Jahre später, nutzt Inge Brohm die Gelegenheit, dem heutigen Staatssekretär im Innern das Schreiben persönlich zu übergeben.
Und so blickte Dr. August Hanning auch zurück in die eigene Vergangenheit, nachdem er mit den rund 140 Gästen beim Festakt zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes zuvor auf die Geschichte Deutschlands geschaut hatte. Organisiert worden war die Veranstaltung in der ehemaligen Fraling-Fabrikhalle am Samstagnachmittag vom CDU-Ortsverband - als überparteiliche Angelegenheit, wie Vorsitzender Oliver Hordt betonte. Geladen waren neben dem Staatssekretär Vertreter der politischen Gemeinde sowie aller Vereine, Verbände und Einrichtungen.
Der ehemalige Websaal war gut gewählt. Nicht nur, weil das gesamte Fraling-Areal für einen Wandel steht, der für ganz Deutschland gelten kann. An diesem Ort ist mit Trendelkamp auch die Firma ansässig, die die Bundesadler für den Bonner und den Berliner Plenarsaal entwarf, Symbole der „gefestigten freiheitlichen Demokratie“, wie Oliver Hordt die Bundesrepublik in seiner Begrüßung bezeichnete, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur von der gesamten Welt geächtet, sondern auch moralisch zerstört gewesen sei.
Eine Feststellung, die der Staatssekretär in seiner Ansprache nur unterstreichen konnte und dann die Entwicklung Deutschlands nachzeichnete - Teilung, Wiederaufrüstung, RAF-Terror, Kubakrise, Wiedervereinigung, Finanzkrise und ein Blick in die Zukunft inklusive. „Wir hatten Glück“, dieser Satz tauchte mehrmals auf. Glück, weil Deutschland nicht deindustrialisiert, sondern als Bollwerk gegen den Kommunismus wieder aufgebaut worden sei; Glück, weil die Bundesrepublik nie zwischen die Fronten geraten sei und Glück, weil die Wiedervereinigung eine friedliche Revolution gewesen sei.
Den 23. Mai 1949 bezeichnete August Hanning als „stolzen Tag“. Denn das Grundgesetz, das damals verabschiedet wurde, habe den Rahmen dafür gegeben, dass sich das Land als ein freiheitlicher Rechtsstaat entwickeln, sich in Europa integrieren und diese lange Phase des Friedens habe erleben können. „Zudem war es die Grundlage für die spätere Wiedervereinigung“, erinnerte der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes an die Präambel, die die Einheit Deutschlands als Ziel ausgegeben hatte.
Und wie viel es wert ist, in einem Rechtsstaat zu leben, das kann wohl kaum einer so gut erklären wie Hanning, der früher auch Dienst in der Ständigen Vertretung in der DDR schob und auch in diesem „Polizeistaat“, wie er die frühere Nachbarrepublik nennt, wohnen musste. „Überall waren Mikrofone, zum Teil wurden meine Frau und ich auch optisch überwacht. Das ist für uns nicht einfach gewesen“, erzählte der Staatsbeamte und gebürtige Nordwalder und ging schließlich ein wenig auf die Zukunft ein.
„Vieles ist kaum vorhersehbar“, meinte Hanning mit Blick auf die Finanzkrise. Oft gebe es nur Signale, aber keine Sicherheit. Eine Alternative zur sozialen Marktwirtschaft sah er nicht: „Wir müssen das System aber weiterentwickeln.“ Und bei der inneren Sicherheit, seinem Fachgebiet, malte der Innenstaatssekretär ein ambivalentes Bild. Zwar sei Deutschland sehr sicher, die Gefahr durch islamistischen Terrorismus wachse aber auch hier. „Es gibt die Sorge, dass noch vor den nächsten Wahlen etwas passieren soll.“
Quelle: Westfälische Nachrichten
