DIENSTAG, 7. FEBRUAR 2012, 19 UHR, RATHAUS

HAUPT- UND FINANZAUSSCHUSS

24. August 2009

Verhaltener Schlagabtausch

Schemmann gegen Fink: Über 500 Nordwalder verfolgen das Duell

 

Nordwalde. Auf dieses Ereignis hatten viele Nordwalder hingefiebert: Die beiden Bürgermeisterkandidaten stehen gemeinsam auf dem Podium und erklären dem Wähler, wie sie sich Nordwaldes Zukunft vorstellen und was sie im Falle ihrer Wahl anpacken wollen.

 

Auf Einladung der WN kamen gestern Morgen weit über 500 Besucher ins Forum der Gesamtschule. Der Saal war proppenvoll. Die Mitglieder des Jugendparlaments hatten gut zu tun, alle Besucher mit Getränken zu versorgen. Viele Gäste mussten sich mit einem Stehplatz begnügen.

 

Serviert bekamen sie bei der von WN-Redaktionsleiter Axel Roll moderierten Veranstaltung dafür so ziemlich alle Themen, die in den vergangenen Monaten den Wahlkampf beherrscht haben. Auf der einen Seite von Sonja Schemmann, der bekennenden Nordwalder Christdemokratin. Auf der anderen Seite von Lothar Fink, dem aus Duisburg stammenden Sozialdemokraten. Lagen die beiden in vielen Bereichen gar nicht so weit auseinander, unterschieden sie sich vielfach in Details und den geplanten Vorgehensweisen. Allen voran bei den Themen Sportplatz, Bispinghof und Ortskern.

Während für Fink beim Sportplatz kein Weg vorbeigeht am Umzug zur Ewigmannstiege, will Sonja Schemmann, dass erst der neue Rat eine endgültige Entscheidung trifft: „Aber dann soll alles ganz schnell gehen. Egal wofür wir uns entschieden haben.“ Beim Bispinghof will Schemmann mit dem Pertheswerk als Eigentümer eine Art Gesamtpaket schnüren, das weitere Grundstücke der Einrichtung in Nordwalde einschließt. Unabhängig von solchen Verhandlungen betonte Fink, dass er den Kauf befürworte, wenn die Bürgerstiftung ein tragfähiges Konzept hinbekommt. Beim Thema Finanzen gingen die Einstellungen der beiden schon weiter auseinander: Während Fink in die Gebäude der Gemeinde investieren will, „bevor das dicke Ende kommt“, hat für Schemmann der ausgeglichene Haushalt oberste Priorität, dem neben dem Erhalt von Arbeitsplätzen, der Ortskerngestaltung und der Sportplatzfrage alles andere unterzuordnen sei.

 

Das alles war nicht wirklich neu und ist so oder so ähnlich in den Wahlprogrammen nachzulesen. Ebenso die Sache mit dem ZOB, bei dem sich beide noch nicht schlüssig sind, was mit ihm passieren soll.

Als „externer“ Bewerber nutzte Fink die Veranstaltung aber nicht nur, um sein Programm darzulegen, sondern um öffentlich auf einige Spitzen von Seiten der CDU zu reagieren. Fink machte keinen Hehl daraus, dass er Sozialdemokrat ist und dass er sich im Vorfeld in Ascheberg um das Amt des Bürgermeisters beworben hat. Mit einem müden Lächeln übernahm er in Anspielung auf eine CDU-Pressemitteilung sogar die Verantwortung für den Schuldenberg der Stadt Duisburg, in deren Rat er fünf Jahre saß. „So ein Wahlkampf ist aber nicht unser Stil“, quittierte er die Attacken.

Während Fink die Grundzüge seiner Politik zum Teil mit klaren Zielen umriss, verlegte sich Sonja Schemmann mitunter darauf, zur Untermauerung ihrer kommunalpolitischen Kompetenz diverse Beispiele zu bemühen und mit Details aufzutrumpfen. Nur ein Beispiel: Während Fink beim Thema Ortskerngestaltung eine Standort- und Immobiliengemeinschaft gründen und am liebsten die Ideen verschiedener Planungsbüros einholen würde, will Schemmann einen Fachmann für eine ganzheitliche Planung hinzuziehen und bereits nach einem Jahr erste Einzelmaßnahmen umsetzen. Eine CDU-Aktion zu Verschönerung einer Fassade im Ort nannte sie als Exempel dafür, wie man mit wenig Aufwand viel erreichen könne.

 

Wer an diesem Morgen erwartet hatte, dass Fink in die Rolle des Herausforderers schlüpft und den Finger in die ein oder andere Wunde legen würde, sah sich getäuscht. Vielmehr blickte er nach vorn. Wirkliche Kritik äußerte er nur in dem Punkt, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren wegen ihrer Sparsamkeit zu wenig in die Gebäude investiert habe. Sonja Schemmann versuchte hingegen des Öfteren, ihren Kontrahenten herauszufordern. So richtig auf dem falschen Fuß erwischte sie ihn aber nur ein Mal: beim Thema Kindergarten, den Fink gerne beitragsfrei hätte. Ob er wisse, was die Gemeinde das kosten würde, wollte Schemmann wissen. Fink wusste die Summe (über 200 000 Euro) nicht. Daneben lag Schemmann allerdings, als sie Fink beim Thema Sportplatz weis machen wollte, dass eine Flächennutzungsplanänderung an der Bahnhofstraße ohne Beteiligung der Öffentlichkeit zu machen sei.

 

An Selbstbewusstsein mangelte es ihr dennoch nicht: Ebenso wie Fink, der Geschäftsführer bei der Awo in Duisburg ist, ließ die gelernte Steuerfachangestellte keinen Zweifel daran, dass sie eine Verwaltung führen und einen Gemeindehaushalt aufstellen könne.

Angesichts der Aktualität und auch der Brisanz der einzelnen Themen konnte sich Moderator Axel Roll die meiste Zeit auf die Position des Stichwortgebers zurückziehen. So richtig aus der Reserve ließen sich die beiden Kandidaten nur bei seiner letzten Frage locken.

 

War der Umgangston bis dahin freundlich und in den Pausen - in denen die „Swinging Strings“ aus Borghorst entspannt aufspielten - sogar recht locker, waren die beiden Kontrahenten beim Finale kurz sprachlos: Roll wollte ausgerechnet wissen, warum sich der eine Kandidat den jeweils anderen ebenfalls als guten Bürgermeister für Nordwalde vorstellen könne. Fink war als Erster dran und nach eine kurzen Denkpause „würdigte“ er Schemmann als „nette, charmante und gut aussehende“ Persönlichkeit, die er sich gut als Zweite Bürgermeisterin vorstellen könne. Schemmann konterte: Sie habe Fink schon auf einigen Terminen kennengelernt - und wünsche ihm deshalb „alles Gute für Duisburg“.

 

Quelle: Westfälische Nachrichten